Game Review
Alone in the Dark 2 - Jack is Back
Der erste Teil der Grusel-Serie “Alone in the Dark” setzte 1993 auf dem PC neue Maßstäbe. Erstmals steuerte man in einem Adventure eine Figur, die nicht vorgezeichnet war, sondern aus Polygonen bestand, sich aber in vorgezeichneten Hintergründen bewegte. Zusammen mit der beklemmenden Atmosphäre einer von Zombies besetzten Villa entstand so das erste Grusel-Adventure seiner Art: Der Vater von „Resident Evil“ war geboren. Drei Jahre später fand der 1994 für den PC erschienene zweite Teil seinen Weg auf Segas Saturn.
Die Story ist schnell erzählt: Ted Striker, ein Kollege und Freund von Privat-Detektiv Edward Carnby besucht am 22.12.1924 eine alte Villa in Kalifornien, da sich dort ein entführtes Mädchen aufhalten soll. Da er nicht zurückkehrt, macht ihr euch als Edward zwei Tage später (also an Heilig Abend) auf, um herauszufinden, was mit eurem Freund und dem Mädchen passiert ist. Mit Edwards betreten des Gartens von Hell's Kitchen, so der bezeichnende Name der Villa, beginnt auch schon das Spiel.

Wie im ersten Teil lauft ihr mit eurem dreidimensionalen Detektiv durch die Szenarien, sammelt Gegenstände, löst Rätsel, killt Monster wie Piraten, Hexen und Zombies und sammelt Drinks und Nahrung ein, um wieder mehr Lebensenergie zu erlangen. Hin und wieder findet ihr kleine Ausschnitte aus Büchern, die von einer routinierten deutschen Sprachausgabe vorgelesen werden. Meist handelt es sich dabei um kleine Anekdoten über besonders gefährliche Gegner und Ausschnitte, die Tipps für das Lösen von Rätseln beinhalten. Klingt ja alles nicht schlecht, wurde aber mangelhaft umgesetzt. Das Spiel wirkt unausgegoren und hackelig: Einer der Hauptkritikpunkte ist die unpräzise Steuerung. Vor allem das Schießen mit den diversen Gewehren hat mehr mit Glück als mit Können zu tun. Erst recht bei weiterer Entfernung scheint es dank fehlender Ziel-Automatik manchmal unmöglich zu sein, seinen Gegner zu treffen. Schiesst ihr mal links vorbei und korrigiert ein winziges Stück nach recht, so schießt man schon gleich rechts vorbei. Daher macht es mehr Sinn mit Schwert, Schneidebrett, oder mit Kicks und Schlägen den Nahkampf zu suchen, wobei man aus normalerweise vier verschiedenen Moves wählen kann. Dabei kommt euch zu Gute, dass die Gegner manchmal auch kein Zielwasser getrunken haben. So liefen bei mir die meisten Kämpfe folgendermaßen ab: Ich stehe direkt vor dem Gegner und bearbeite ihn mit dem Schwert, er hingegen schießt ständig an die gleiche Stelle in der Wand. Durch diese sehr unrealistischen Kämpfe verliert das Spiel leider eine Menge an Atmosphäre und Reiz. Aber leider ist auch der Rätsel-Teil nicht sehr viel besser: Werden die leichten und unlogischen Rätsel in „Resident Evil“ schon manchmal kritisiert, so sind die Rätsel hier nicht nur unlogisch, sondern zudem auch noch schwer. An einigen Stellen musste ich dann, auch wenn ich es eigentlich verabscheue, die Komplettlösung zur Hand nehmen; und einige Rätsel sind mir bis heute nicht wirklich klar. Weiterer Lapsus: Lässt man eventuell mal einen Gegenstand liegen, kann es passieren, dass man später nicht mehr weiter kommt. Dumm, wenn man dann keinen alten Spielstand mehr hat. Wenn ihr kurzzeitig in die Rolle des kleinen Mädchens schlüpf kommt ein weiteres Ärgernis hinzu. Die Spielfugur bewegt sich selbst in Lauf-Geschwindigkeit so langsam durch die Gegend, wie ich es noch bei keinem anderen 3D-Spiel gesehen hab.

Auch die Präsentation ist leider nicht sehr gelungen. Die Hintergründe sind zwar recht schön und detailreich, aber dafür recht farbarm (256 Farben ?). Die Polygon-Figuren mit ihren groben Texturen sind aber mittlerweile wirklich nur noch hässlich. Dazu kommen noch gigantische Pal-Balken, die ca. ein Viertel des gesamten Bildschirms einnehmen. Was die Motivation dann nochmals um einiges nach unten zieht, sind die Nachladezeiten bei jedem Bildwechsel, die gehörig die Geduld strapazieren. Auch die Sound-Effekte sind qualitativ recht mies, überzeugen können aber dafür die Musik und der deutsche Sprecher, wenn auch nur in mono.

Am Ende bleibt also ein Spiel, dass durch die gelungenen Hintergründe und die Musik gerade noch soviel Atmosphäre aufbauen kann, um nicht vollends zu enttäuschen, aber auch eine zusätzliche Szene, die nicht in der PC-Version vorhanden war, hieven das Spiel nicht über das Mittelmaß hinaus.
 
Nils Goette, 20.11.8000
Grafik: 58%
Sound: 64%
Spielspaß: 59%
Disclaimer / Haftungsausschluss
<-- Login -->

Version:
Deutsche Verkaufsversion
Hersteller:
Infogrames
Entwickler:
Infogrames
Vertrieb:
Infogrames
Altersfreigabe der USK:
unbekannt