Game Review
Alone in the Dark - A New Nightmare
Screenshots (8)
Alone in the Dark legte ohne Zweifel den Grundstein für das Genre, welches heute als „Survival Horror“ bekannt ist. Zwar wurde der Name erst durch die Resident Evil Serie geprägt, schaut man sich jedoch das wesentlich ältere AitD an entdeckt man auch dort alle wesentlichen Stilelemente. Der Unterschied war aber vor allem bei der Ausreizung dieser Ansätze zu sehen. Während RE durch stimmige Renderhintergründe und eine äußerst filmische Aufmachung überzeugte, konnte die AitD Serie sich nicht neu erfinden und so wirkten vor allem die späteren Teile ziemlich altbacken.
Einen neuen Anfang soll nun Alone in the Dark: The New Nightmare bringen, deshalb auch bewusst nicht Alone in the Dark 4 genannt. Darkworks Studios bemühten sich redlich, den Titel in das Jahr 2001 zu bringen. Ob das gelungen ist, damit möchte ich mich in diesem Review auseinandersetzen.
Story
Edward Carnby, mittelbarer FBI Agent und Dr. Aline Cedrac, Wissenschaftlerin verschlägt es aus verschiedenen Gründen nach Shadow Island. Carnby möchte den Tod seines Freundes aufklären, während Cedrac einige Steintafeln eines untergegangenen Indianerstammes entziffern soll. Als sie im Anflug auf Shadow Island sind greift ein unbekanntes Wesen das Flugzeug an. Im letzten Moment können sich die Beiden per Fallschirm retten, werden dabei aber getrennt. Ab nun kann der Spieler Edward oder Aline steuern. Die beiden Storylines und ihre Rätsel unterscheiden sich so stark, dass sich ein durchspielen mit beiden Charakteren lohnt. Allgemeine Themen von AitD sind der erwähnte Indianerstamm, verrückte Wissenschaftler und abgrundtiefe Höllenschlünde. Das ganze ist ziemlich durchgequirlt und wirkt nicht sonderlich gut durchdacht. Die Protagonisten verhalten sich oft recht unglaubwürdig, was vor allem an kaum nachvollziehbaren Stimmungsschwenkungen liegt. Oft findet man ellenlange Dokumente (eines über 50 (!) Seiten), die die Geschichte voranbringen und mit dem Grauen spielen sollen. Leider stehen sie weit unter Groschenheft Niveau, genauso wie die Dialoge, die oft sehr floskelhaft verlaufen und außerdem den Eindruck erwecken, als hätten die Sprecher ihre Texte jeder für sich abgeliefert ohne darauf zu achten, dass am Ende eine Unterhaltung dabei herauskommen soll.

Technik
Die sonstige Sound Untermalung ist aber ziemlich gut gelungen. Eine sehr gute Geräuschkulisse und verstörende, leider sich ein wenig oft wiederholende Musikstücke bieten einen guten Klangteppich für unheimliche Exkursionen.
Grafisch wurde voll auf Renderhintergründe gesetzt. Viel Worte kann man zu einer solchen Technik heute nicht mehr verwenden, jeder weiß schließlich wie ein solches Spiel dann abläuft: Alles ist sehr detailliert und bildlich dargestellt, allerdings wirkt es auch äußerst statisch und man muss das dauernde umschalten der verschiedenen Bilder in Kauf nehmen. Imo ist das nicht mehr besonders zeitgemäß, auch auf der PS nicht. Das übliche Problem der unsichtbaren Sperren, an denen die Charaktere entlang laufen und die halt zumeist nicht mit den dargestellten Objekten genau übereinstimmen, tritt in AitD auch noch in besonders starken Maßen auf.
Die davor agierenden Figuren sind zwar recht detailliert modelliert, haben aber zum Teil äußerst lächerliche Animationen. Die normalen Bewegungsarten (wie gehen, laufen etc.) sind zwar okay aber vor allem in den Cut Scenes bekommt man recht zappelige Abläufe zu sehen.
Große Beachtung fand beim Release des Titels das sogenannte „Taschenlampen-Feature“. Das bedeutet nichts anderes, als dass die beiden Darsteller mit einer Taschenlampe ausgestattet sind und der Spieler die Renderhintergründe in Echtzeit ableuchten kann. Klingt zwar nicht sonderlich spektakulär, wirkt aber recht beeindruckend. Durch das Spiel von Licht und Schatten gewinnt die Hintergrundgrafik sehr an Lebendigkeit. Die kleinen Fehler, die den Lichtkegel (z.B. beim „nahen an der Wand stehen“) manchmal recht unrealistisch aussehen lassen, sind dabei vernachlässigbar.

Gameplay
Als Videospieler kommt man ja kaum um RE oder einen seiner zahlreichen Klone herum. Leider laufen diese Spiele ja nun wirklich nach dem absolut gleichen Muster ab: Schlüssel suchen, Rätselchen lösen, bisschen Story anschauen und Monster abknallen. Dementsprechend muss man die Qualitätsunterschiede in diesem Genre im Detail suchen. Was bedeutet das für den neuen Albtraum?
Die Kämpfe sind mit einer gelungenen Auto Aiming Funktion erleichtert, man trifft recht einfach. Dafür hat man mit dem Nachladen zu kämpfen, denn es dauert ewig. Da man zumeist gegen flinke (aber zum großen Teil langweilig gestaltete) Monster antritt bedeutet das fast garantierten LE Verlust während des Ladens. Die einzige Möglichkeit, dass zu umgehen ist ein schneller klick ins Menü um dort nachzuladen, denn dann entfällt diese lange Animation. Aber das kann wohl kaum so gedacht sein und nervt ziemlich. Wo ich gerade beim Menü bin: Wer die Menüführung nur eines RE Teils kennt findet sich auch hier zurecht. Die Protagonisten können unendlich Gegenstände mitnehmen, eine Slotbegrenzung gibt es nicht.
Beim Rätselteil kämpfen beide Charaktere mit unterschiedlichen Problemen. Edward Carnby geht vor allem auf Schlüsselsuche, zum Teil schleppt man 4 verschiedene Schlüssel mit sich herum. Nur dumm das diese in keinster Weise gekennzeichnet sind und man sich bei jeder verschlossenen Tür durch alle mitgeführten Schlüssel durchprobieren muss. Das nervt ziemlich, wenn ich Schlüsselsuchen für ein interessantes Spielelement halten würde könnte ich auch meinen Bund daheim jeden Tag in eine neue Ecke pfeffern und dann hinterher kriechen. Bei Aline ist der Anteil „richtiger“ Rätsel weitaus höher. Nur leider sind für sie weitaus weniger Räume interessant und man geht oft durch Zimmer die ohne irgendeine Bedeutung sind. Damit wirkt auch ihr Part weniger vollwertig als das Spiel mit Carnby.
Zur Atmosphäre kann man allgemein sagen, dass das Spiel ziemlich stark beginnt und dann aber sehr nachlässt. Die ersten Locations sind sehr dicht gestaltet und bieten viel Abwechslung. Darkworks hat sich bemüht einige neue Schockeffekte auf die abgestumpfte Spielerschaft loszulassen und in der ersten Hälfte des Spiels funktioniert das auch wirklich gut. Allerdings gingen wohl recht schnell die Ideen aus. Am Ende rennt man nur noch durch ellenlange unterirdische Gänge und ballert dauernd respawnende (!) Gegner ab, wirklich schrecklich. Dadurch hinterlässt AitD einen sehr faden Nachgeschmack.

Feature
Nur für einen Spieler. Es gibt keine PAL Balken. Die Anleitung ist einsprachig deutsch, schwarz weiß und langweilig geschrieben. Das Spiel bietet gute Vibrationseffekte und benötigt auf der MC 1 Block.

Fazit
In meinen Augen schafft es The New Nightmare nicht, Alone in the Dark wieder als Namen für guten Survival Horror zu etablieren. Hätte Darkworks den Ideenreichtum, den sie in den ersten 3 Spielstunden verbraten über den ganzen Titel durchgehalten, sähe es vielleicht anders aus. Dann hätte eine gute Atmosphäre und Spannung über die eklatanten Gameplay Fehler hinwegtrösten können. So nervten mich aber die Nachladeaktion, das ständige Hängenbleiben an unsichtbaren Barrieren und die unglaubwürdige Story, präsentiert durch eine üble Synchronisation. Die zum Teil recht guten Rätsel und das interessante Ausleuchten mit der Taschenlampe wiegen diese Mankos nicht auf.
AitD ist ein Survival Horror Titel unter vielen, es erscheint zu einer Zeit wo dieses Genre doch schon recht ausgelutscht erscheint, und wirkliche Impulse können von diesem Titel nicht ausgehen.
 
Dietmar Schmidt, 01.12.2001
Grafik: 78%
Sound: 85%
Spielspaß: 47%
Disclaimer / Haftungsausschluss
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Version:
Deutsche Verkaufsversion
Hersteller:
Infogrames
Entwickler:
Dark Worx
Vertrieb:
Infogrames
Altersfreigabe der USK:
unbekannt