Game Review
Gran Turismo 4
Screenshots (3)
Lang, lang mussten die Fans auf den neuesten Teil der überragenden Gran Turismo Reihe von Sony warten. Doch nun ist es nach zahlreichen Verschiebungen und der teuer verkauften Demo Version „Prologue“endlich soweit, der neueste Geniestreich von Polyphony Digital steht in den deutschen Läden. Und wir hatten die Gelegenheit, noch vor dem Verkaufsstart einige hundert Runden mit dem Hoffnungsträger aller PS2-Racingfans zu drehen, und schildern hier nun unsere Eindrücke.
Der ärgerlichste Punkt gleich vorweg: Obwohl der Onlinemodus oft als Grund für die andauernde Verspätung des Titels genannt wurde, fehlt ein solcher Modus im nun fertigen Produkt entgegen erster Ankündigungen völlig. Das ist natürlich für den Spieler sehr schade, und ein herber Rückschlag für Sonys Onlinestrategie mit der Playstation2 – kaum ein anderer Titel hätte mehr Leute zum Kauf eines Netzwerkadapters bewegen können. Dieses Zubehör kann trotz alledem mit diesem Spiel zum Einsatz kommen, denn Gran Turismo 4 erlaubt es euch ein Heimnetzwerk mit bis zu 6 Playstation2-Konsolen aufzubauen – über den Netzwerkadapter. Die Firewire - Schnittstelle wird dagegen nicht mehr benutzt, wohl im Hinblick darauf, dass die neuen PS2 Modelle keine solche Schnittstelle mehr besitzen. Wer keine Lust auf Kabelsalat und Fernseherschleppen hat, kann immerhin noch im Splitscreen spannende Duelle mit einem Freund austragen.

Alle Multiplayeroptionen findet ihr im Arcade-Teil des Spieles untergebracht, wo ihr ansonsten ein schnelles Rennen auf einer frei wählbaren Strecke mit einem Auto eurer Wahl fahren könnt. Doch dafür braucht man kein Gran Turismo, das können andere Spiele ebenso gut. Herzstück ist wie immer der Namensgebende und extrem umfangreiche Gran Turismo – Modus, in dem ihr euch mit einem winzigen Startkapital von 10.000 Credits ein Auto zulegen müsst und dieses dann nach und nach mit Hilfe der von euch gewonnenen Preisgelder tuned bzw. gegen ein stärkeres Modell austauscht. Und bei der Fahrzeugauswahl hat sich Polyphony Digital mal wieder selbst übertroffen: Über 80 Autohersteller sind im Spiel mit einigen ihrer Wagen vertreten, von den Alltagskarossen der Straßen dieser Welt bis hin zu seltenen Exoten, Concept Cars und waschechten Rennwagen. Insgesamt sind es über 700(!) Fahrzeuge.

Doch bevor es auf die Rennstrecke geht, muss natürlich erst mal der bekannte Führerscheintest absolviert werden – es sei denn, man hat einen Spielstand der Prologue - Version auf der Memory Card, dann bleibt einem das für die ersten beiden Tests erspart. Ein Gran Turismo 3 Spielstand beschert euch gar ganze 100.000 Credits zusätzliches Startkapital, was den Einstieg schon mal deutlich erleichtert.

Sind diese Hürden erst mal genommen, dann könnt ihr euch unter den zahlreichen Rennevents das für euch passende aussuchen. Allerdings unterliegen einige Rennen bestimmten Beschränkungen, wie das zum Beispiel nur europäische Autos oder Autos mit Frontantrieb an einem Rennen teilnehmen dürfen. Zum Glück habt ihr eine große Garage, wo ihr euren nach und nach wachsenden Fuhrpark unterbringen könnt. Habt ihr euch schließlich für ein Rennen entschieden geht’s endlich auf die Rennstrecke: Fünf Konkurrenten stehen mit euch am Start, wobei ihr immer als letztes in das Rennen geht. Ein Qualifying oder wechselnde Startpositionen haben es auch im vierten Teil nicht ins Spiel geschafft. Der größte Kritikpunkt am Vorgänger, die mangelnde Gegnerintelligenz wurde zwar angeblich vom Entwickler etwas überarbeitet, aber viel merkt man davon leider nicht. Immer noch fahren die Computerautos stur auf der Ideallinie und auch nicht besonders schnell...



Um diese Gegner also besiegen zu können, setzt ihr ein, was ihr in den Fahrprüfungen gelernt habt: Richtiges beschleunigen aus der Kurve heraus, exakte Bremspunkte treffen, im Windschatten fahren und so weiter. Bei längeren Rennen müsst ihr allerdings nicht nur auf die Strecke und eure Gegner achten, sondern auch ab und an mal einen Blick auf die Statusanzeige eurer Reifen und eures Tankes und gegebenenfalls müsst ihr dann den Weg in die Boxengasse machen.

Doch soweit ist ja alles bekannt, so was ist neu in Gran Turismo 4, außer den neu hinzugekommenen Fahrzeugen, Strecken und Tuningmöglichkeiten? Zum einen wäre da der Fotomodus, der es euch erlaubt, Fotos von eurem Wagen auf der Strecke eurer Wahl zu schießen. Nicht gerade eine bahnbrechende Neuheit, Fans werden sich wohl aber darüber freuen. Interessanter ist da schon der B-Spec – Modus, in dem ihr den Fahrersitz mit einem Computerfahrer tauscht und ihr euch in die Box begebt und das Rennen von dort aus betrachtet und mit Befehlen ins Rennen eingreifen könnt. Ihr sagt eurem Fahrer, ob er überholen soll oder nicht und wann er in die Box einfahren soll zum Reifenwechsel und Nachtanken. Zunächst ist euer Fahrer dabei aber nur ein Anfänger, der nur relativ langsam über die Piste gurkt, erst mit zunehmender Rennerfahrung auf verschiedenen Strecken und mit verschiedenen Fahrzeugen wird aus ihm ein echter Profi – häufiges trainieren lohnt sich also auch in diesem Modus.

Technik:
Für viele ist Gran Turismo 3 immer noch eines der bestaussehenden Rennspiele auf der Playstation2 – zu Recht. Gran Turismo muss sich, wie zu erwarten war, nicht hinter seinem Vorgänger verstecken und kann mit noch detaillierteren Fahrzeugen und noch hübscheren Rennstrecken aufwarten. Das Scrolling ist bei Bombensicheren 50fps, die Geschwindigkeit wurde auch einwandfrei an die PAL-Norm angepasst. Das gleiche gilt auch für die Auflösung, die um einige Zeilen im Vergleich zum NTSC-Original erweitert wurde. Leider ist im Zuge der Anpassung auch der HD-Modus gestrichen worden. Nichts verbessert hat sich dagegen beim starken Flimmern der Grafik, welches den grafischen Gesamteindruck doch wieder etwas verschlechtert – hier ist die PS2 wohl an ihren technischen Grenzen angelangt.

Axels Meinung:
In Sachen Umfang und Detailverliebtheit macht den Entwicklern von Gran Turismo so schnell kein anderen Rennspielentwickler etwas vor. Unzählige Autos und 50 hervorragend umgesetzte Rennstrecken (mein Liebling: Die Nordschleife des Nürburgrings mit fast 21km) bietet in dieser Qualität kein anderes Spiel. Der neu hinzugekommene B-Spec-Modus bietet ganz neue Spielerlebnisse, der Fotomodus sorgt für zusätzliche Unterhaltung, Rallystrecken für die nötige Abwechslung und die Grafik zeigt, was man aus der betagten PS2 noch rausholen kann. Doch das Spiel ist trotz alledem nicht das Überrennspiel, dass man sich erhofft hatte. Zunächst fehlt natürlich der lange Zeit angekündigte Onlinemodus, welcher heutzutage eigentlich nicht mehr fehlen sollte. Umso schwerer wiegt die Tatsache durch die immer noch sehr mangelhafte gegnerische künstliche Intelligenz, die wirklich spannende Rennen zu keinen Zeitpunkt zulässt. Gegnerische Fahrzeuge sind eigentlich nicht mehr als bewegliche Hindernisse – wie schon in den Vorgängern. Schade eigentlich, denn als Rennspiel disqualifiziert sich GT4 dadurch. Was übrig bleibt ist ein geniales Fahrspiel mit extrem großem Fuhrpark und süchtig machendem Sammelcharakter, aber wenig Herausforderung.
 
Axel Kothe, 13.03.2005
Grafik: 95%
Sound: 85%
Spielspaß: 90%
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Version:
PAL-Promo
Hersteller:
Sony
Entwickler:
Polyphony Digital
Vertrieb:
Sony
Erscheinungs- termin:
09.03.2005
Preis:
ca 60 €
Altersfreigabe der USK:
ohne Altersbeschränkung
Anzahl Spieler Offline:
1 - 2 (6 L
Sprache:
Komplett in Deutsch
Datenträger:
1 DVD 9
Anleitung:
48 Seiten, komplett in Deutsch und in Farbe
Speicher:
1493+ kb
Andere Versionen:
PSP